Feline hat einen Liebesbrief bekommen, umrahmt von roten Herzen – sorgfältig mit Buntstift gemalt. Aber von wem? Es steht kein Absender auf dem Umschlag, und der Verehrer unterschreibt nur mit drei Sternchen. Oder ist das Ganze ein Scherz? Schon bald ist Feline davon überzeugt, dass der schöne Tobias der geheimnisvolle Unbekannte ist. Doch ihre beste Freundin Chris glaubt nicht daran. Warum nicht? Ist sie etwa selbst in Tobias verliebt? Als der anonyme Liebesbriefschreiber ein Treffen vorschlägt, legen sich Feline und Chris auf die Lauer ...

Leseprobe:

Der zweite Brief sah genau so aus wie der erste. Statt eines Absenders prangte ein dickes rotes Herz auf der Rückseite. Natürlich konnte ich es nicht erwarten, den Brief zu öffnen, aber ich unterdrückte meine Ungeduld, legte ihn wieder auf meinen Nachttisch zurück und trank einen Schluck Tee.
Auch diesmal verstand Mama die Botschaft sofort und wandte sich zum Gehen. Wortlos. Beleidigt mal wieder. Aber da musste sie durch. Ich wollte selbst entscheiden, wann ich ihr was erzählte und ob ich ihren Rat brauchte oder nicht.
Die Schutzheilige der beleidigten Mütter machte mir einen Strich durch die Rechnung. Als ich nach dem Umschlag griff, stieß ich gegen den Becher. Der Tee floss über den Brief und durchnässte ihn komplett.
Ich sprang fluchend aus dem Bett.
Mama reagierte sofort und tat etwas, das ich ihr hoch anrechnete: Sie nahm den tropfenden Umschlag an einer Ecke mit zwei Fingern auf, legte ihn auf die Heizung und drehte sie auf die höchste Stufe.
«Der wird wieder, musst nur ein bisschen Geduld haben.»
Ich nickte missmutig. «Danke.»
«Bitte», sagte Mama leise. Plötzlich fingen ihre Mundwinkel an zu zucken, dann prustete sie los.
«Das ist nicht komisch!», schrie ich sie an.
Mama hob die Hände. «Natürlich nicht. ’Schuldigung.»
Aber ihre Mundwinkel zuckten immer noch, das sah ich genau.
Das war das Allerletzte. Damit hatte sie den positiven Effekt von eben wieder verspielt. Ich war wirklich sauer auf sie.
Mama schien das zu spüren. Sie verschwand und ließ sich nicht mehr blicken.
Ich saß auf meinem Bett und starrte schlecht gelaunt auf den tropfenden Brief. Er wölbte sich leicht und bekam dunkle Ränder. Das rote Herz auf dem Umschlag hatte auf die weiße Heizung abgefärbt. Als er endlich getrocknet war, nahm ich ihn vorsichtig auf und öffnete ihn. Zerflossene rote Herzen vermischten sich mit braunem Tee über der schwarzen Schrift. Der Brief sah aus wie ein modernes Kunstwerk aus Blut und Schmutz auf gewelltem Papier, aber zum Glück war die Schrift noch lesbar ...