Ich trau mich, ich trau mich nicht

Was wäre, wenn ... Was wäre, wenn die 13-jährige Bonnie sich trauen würde, ihren Schwarm, den sie schon seit Tagen beobachtet, einfach anzusprechen? Und was passiert, wenn sie sich nicht traut, dafür aber ihre Freundin Vivian? Eine doppelte Liebesgeschichte, denn in diesem Buch werden beide Varianten erzählt.

Leseprobe:

«Wer ist das?», hauchte Vivian.
Ich zuckte zusammen. Ich hatte einen winzigen, wunderschönen Moment lang vergessen, dass Vivian neben mir stand. Mit offenem Mund und dümmlichem Lächeln starrte sie in dieselbe Richtung wie ich. ER kam immer näher. Vivian starrte ihn an. ER ging an Vivian und mir vorbei. Vivian starrte ihm hinterher. Das Knäuel in meinem Bauch kribbelte nicht mehr, es knallte wütend gegen eine Wand, die beim Aufprall «Ich trau mich nicht!» heulte. In diesem Moment begriff ich, dass es nur zwei Möglichkeiten gab:
A: Ich trau mich, ihn anzusprechen, auf die Gefahr hin, mich schrecklich zu blamieren.
B: Ich trau mich nicht, ihn anzusprechen, und blamiere mich nicht und habe von Anfang an verloren.

Ich musste mich entscheiden. Jetzt.

«Jetzt sag schon!», fuhr Vivian mich an.
Das Knäuel nahm noch einmal alle Wut zusammen und prallte gegen die heulende Wand. «Au weia», seufzte die Wand und gab nach.
«Keine Ahnung, wer das ist», lächelte ich Vivian an und holte tief Luft, «aber ich finde es heraus.»
Vivian guckte mich an, als wäre ich nicht ganz dicht. Aber es war meine einzige Chance. Wenn ich es nicht tat, würde Vivian es tun, das war mir plötzlich klar. Ich musste ihr also fast dankbar sein, dass sie aufgetaucht war. Und ich hatte endgültig die Schnauze voll davon, mich nie zu trauen.
«Du hast Recht», sagte ich und deutete auf Vivians Kinn, «sieht wirklich übel aus.»
Vivian fasste sich panisch ans Kinn und wühlte in ihrem Strassrucksack nach dem Schminkspiegel. Schachmatt. Dann setzte eine mir bislang unbekannte chemische Substanz das Denken außer Betrieb. Ich fühlte mich großartig, atmete tief ein, ließ Vivian stehen und rannte IHM hinterher.
Dass Vivian aufblickte und verstohlen lächelte, konnte ich gerade noch aus den Augenwinkeln erkennen. Warum sie das tat, musste mir jetzt egal sein. Ich durfte keine Zeit mehr verlieren ...

Kritiken:

Mädchen, 17.12.03:
... ein witziger und spannender Roman über Herzklopfen, Küsse und andere Katastrophen.

1000 und 1 Buch, August 2004:
Was wäre wenn? Was hätte es für die Zukunft bedeutet, hätte man sich in einer bestimmten Situation anders entschieden? Eine Frage, die im wahren Leben nie beantwortet werden kann. In der Literatur ist hingegen alles möglich, und Angela Gerrits hat sich dieser Frage auf reizvolle Art gewidmet, indem sie ein und dieselbe Geschichte in zwei Varianten erzählt.
(...) mitreißend und mit Spannung bis zum Schluss (...) Die Autorin schreibt in rasantem Tempo und verlangt ihrem Publikum größte Aufmerksamkeit ab, sie glänzt durch Wortwitz, gekonnte Situationsbeschreibungen und viel Gefühl für Stimmungen. In ihrer Geschichte geht es nicht nur um die erste Liebe, sondern auch um den Wert von Freundschaft, sie bringt die Dinge auf den Punkt (...) Eine Geschichte mit Tiefgang und Sinn für Humor, die auf einer originellen Idee begründet ist, und sich dadurch vom Mittelmaß abhebt.

ekz 12/03:
Eine pfiffige Idee, gut umgesetzt; ein Buch, das Spaß macht und Lesen mit Köpfchen fördert. - In möglichst vielen Bibliotheken!