Lisa & Lucia - verliebt hoch zwei

Wenn Zwillingsschwestern sich - zeitgleich - verlieben, kann das ziemlich kompliziert werden. Und genau das passiert den eineiigen Zwillingen Lisa und Lucia. Eine mittlere Katastrophe bahnt sich an, weil Lucia sich ausgerechnet in Finn verknallt, den Lisa nicht ausstehen kann. Eine Geschichte über Geschwister und Vertrauen. Und eine Verwechslungskomödie, denn der arme Finn weiß nicht, dass Lucia eine Zwillingsschwester hat, und wundert sich über ihre ständig wechselnden Launen...

Leseprobe:

Im Gegensatz zu Lucia konnte Omi sehr nachtragend sein. Am nächsten Morgen stellte sie Lisa und ihrer Schwester statt Kakao und Marmeladentoast kalte Thunfischpizza auf den Frühstückstisch. «Wohl bekomm’s», sagte sie schnippisch und verschwand.
«Der Tag fängt ja super an», muffelte Lisa.
Dann fiel ihr die zweite große Pause ein. Worauf hatte sie sich da eingelassen? Was hatte sie mit der ganzen Geschichte zu tun?
«He, ich habe ‘ne tolle Idee!», sagte sie zu ihrer Schwester.
Lucia guckte sie aus müden Augen skeptisch an.
«Du gehst heute zu ... du weißt schon ... zur Turnhalle und sagst ihm mal ordentlich die Meinung. Alles, was du ihm immer schon sagen wolltest. Und hinterher fühlst du dich wie befreit!»
Lucia rieb sich die Augen und gähnte. «Das hast du dir selbst eingebrockt. Damit habe ich nichts zu tun.»
«Ach! Aber ich!»
«Wer hat sich denn mit Axel verabredet?»
«Was heißt denn hier verabredet? Das habe ich doch für dich getan!»
«Sehr fürsorglich», prustete Lucia. «Habe ich dich vielleicht gebeten?»
Das war ja wohl das Letzte. Seit Wochen tröstete Lisa ihre Schwester und fasste sie mit Samthandschuhen an. Seit Wochen ließ sie ihre dämlichen «Ohne Jungen lebt sich’s leichter»-Sprüche in diesem überheblichen Kleine-Schwester-Ton über sich ergehen, und das, obwohl sie achteinhalb Minuten älter war. Und jetzt das.
«Dann will ich aber auch nichts mehr davon hören!», schimpfte Lisa. «Nie mehr!»
«Habe ich von Axel angefangen oder du?» Lucia stand wütend vom Küchentisch auf, schnappte sich Rucksack und Jacke und ging.
Mist. Was mischte sie sich auch ein?, ärgerte Lisa sich über sich selbst. Aber als Axel in der Pizzeria so traurig vor ihr saß, da tat er ihr einfach Leid. Und das hatte sie jetzt davon. Sie beschloss, Axel in der Pause nur ganz kurz auszurichten, dass es hoffnungslos war und dass er Lucia in Zukunft in Ruhe lassen sollte. Und danach - das schwor sie sich - würde sie sich nie mehr in die Liebesangelegenheiten ihrer Schwester einmischen. Mit diesem festen Vorsatz machte sie sich auf den Weg in die Schule.

Sie sah Axel schon von weitem. Er stand unter dem Dachvorsprung vorm Eingang der Turnhalle und trat von einem Bein aufs andere. Als er Lisa entdeckte, lächelte er und winkte ihr zu, doch das Lächeln wurde immer schmaler, je näher Lisa kam. Als sie vor ihm stand, war es ganz verschwunden. Er war einer der wenigen Menschen, die Lisa und Lucia problemlos auseinander halten konnten.
«Hi», sagte er knapp.
Er versuchte nicht einmal, seine Enttäuschung zu verbergen.
Das nahm Lisa ihm übel.
«Hi», antwortete sie frostig.
Er blickte zu Boden und nickte resigniert. «Sie will nicht, alles klar.»
«Tut mir Leid.»
Axel wischte mit dem Fuß unsichtbaren Sand von der Gehwegplatte. «Hat sie was gesagt?»
Lisa seufzte.
Axel fixierte sie plötzlich. «Hat sie?»
«Nur, dass sie nicht will.»
«Und was noch?»
Lisa schüttelte den Kopf.
«Bitte», sagte er leise.
Da war er wieder, der traurige Blick. Axel litt wirklich. Ob ihre Schwester das wusste? Nein, ich mische mich nicht mehr ein, rief Lisa sich zur Raison, trauriger Blick hin oder her, meine Mission ist erfüllt ...
«Bitte!»
«Du könntest ihn mir auf den Bauch binden, und ich würde rennen, um ihn loszuwerden», sagte Lisa schnell.
Ein paar Sekunden lang passierte nichts. Axel stand einfach da, stumm, mit hängenden Schultern und starrem Blick auf seine Schuhe ...

Kritiken:

AP, 6.1.05:
Mit ihrem zweiten Roman Lisa & Lucia - verliebt hoch zwei aus der Reihe Chaos, Küsse, Katastrophen ist es Angela Gerrits gelungen, eine spannende Geschichte über die Liebe, die Freundschaft und das Leben als Zwilling zu schreiben. Trotz ihrer modernen, leichten Sprache schafft es Gerrits dabei, den wichtigen Themen junger Mädchen den nötigen Ernst und Respekt zu zollen.

AJuM der GEW, Baden-Württemberg, Januar 2006:
Eine witzige Verwechslungsgeschichte über verliebte Zwillingsschwestern ... Besonders gelungen ist die verliebte Oma. (Eine) Geschichte ... ohne erhobenen Zeigefinger. Es gibt auch mögliche Lösungswege, aber jedem Leser wird klar gemacht, dass er diese Wege alleine entscheiden und dann auch gehen muss, bevor es zur Katastrophe kommt ... Ein gelungener Lesespaß - sehr empfehlenswert.